Der Auslegungsweg in vier Schritten
- Gebäude-Heizlast aus der Heizlastberechnung nach DIN EN 12831-1
- Warmwasserbedarf aus Personenzahl — 1,45 kWh je Person und Tag plus 3 kWh für Speicher und Verteilung, auf 24 h umgelegt und bei 1,5 kW gedeckelt (vier Personen: 0,37 kW)
- Bivalenzpunkt wählen (typisch -2 bis -7 °C, siehe Bivalenzpunkt erklärt)
- EVU-Faktor — nach dem neuen §14a EnWG 1,00 (keine Sperrzeiten, nur eine Begrenzung der Bezugsleistung); im Altbestand mit Sperrzeit 24 / (24 − Sperrstunden), bei 2 × 2 h also 1,20
WP-Nennleistung [kW] = (Heizlast [kW] + Warmwasser [kW]) × EVU-Faktor
Rechenbeispiel — Einfamilienhaus 150 m²
| Kriterium | Altbau 1970, teilsaniert | Sanierter Bestand | GEG-Neubau 2022 |
|---|---|---|---|
| Spez. Heizlast | 90 W/m² | 60 W/m² | 30 W/m² |
| Gebäude-Heizlast | 13,5 kW | 9,0 kW | 4,5 kW |
| Warmwasser (4 Personen) | 0,37 kW | 0,37 kW | 0,37 kW |
| EVU-Faktor (§14a neu) | × 1,00 | × 1,00 | × 1,00 |
| WP-Nennleistung | 13,9 kW | 9,4 kW | 4,9 kW |
Die spezifischen Heizlasten stammen aus unserer Faustformel-Tabelle: 1949–1977 teilsaniert 80–100 W/m², sanierter Bestand 55–75, GEG-Neubau 25–35. Ein unsanierter Altbau von 1970 liegt dort bei 120–150 W/m² — für 150 m² also eher 18–23 kW statt 13,5. Genau deshalb ist die Faustformel nur ein Einstieg: zwischen „unsaniert" und „teilsaniert" liegt beim gleichen Haus fast der Faktor zwei.
Wichtig: das ist die Nennleistung bei Norm-Außentemperatur. Da die WP-Leistung mit sinkender Außentemperatur abnimmt, kann bei realen Herstellerangaben (z.B. A7/W35) eine höhere Zahl stehen — das ist der Nennwert unter besseren Bedingungen, nicht der Auslegungspunkt.
Datenbasis der Herstellerangaben — Vorsicht
Nicht alle Wärmepumpen-Kennlinien sind vergleichbar. Wärmefinder unterscheidet drei Datenbasen:
- Nenn-/Teillast — realistischer COP im Regelbetrieb (typisch bei R32/R290-Standardlinien)
- Volllast — COP-Angabe konservativ (Buderus)
- modelliert — Niveau aus drei EN-14511-Messpunkten, Kurvenform aus belegten Fremdrastern; im Bericht als „modelliert, nicht gemessen" ausgewiesen (airneo)
Der Bericht weist die Datenbasis pro gewähltem Modell aus — sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen.
Bivalenzpunkt — die zweite wichtige Zahl
Bei monoenergetischer Betriebsweise (WP + Heizstab) muss die WP die Heizlast nicht bis zur Norm-Außentemperatur alleine decken. Der Bivalenzpunkt ist die Außentemperatur, unterhalb derer der elektrische Backup zuschaltet. Faustregel:
- Norm-Außentemperatur ≥ -10 °C → Bivalenzpunkt -5 °C (Backup rund 1 %)
- Norm-Außentemperatur -10 bis -15 °C → Bivalenzpunkt -7 °C (Backup rund 0,6 %)
- Norm-Außentemperatur ≤ -15 °C → Bivalenzpunkt -10 °C oder tiefer (Backup rund 0,2 %), ggf. eine Nummer größer
Zu klein oder zu groß — beides ist teuer
Zu klein: Heizstab läuft öfter, JAZ sinkt, Stromrechnung steigt. Bei Backup-Anteil > 10 % lohnt sich fast immer eine Nummer größer.
Zu groß: Wärmepumpe taktet häufig ein/aus, verschleißt schneller, JAZ sinkt ebenfalls, Investitionskosten unnötig hoch. Bei Modulations-Untergrenze wp_min < 30 % der Nennleistung + mildem Klima ist Taktung fast garantiert.
Weitere Bezeichnungen und Suchbegriffe
Die Frage nach der WP-Größe wird sehr unterschiedlich formuliert: „Welche Wärmepumpe für mein Haus", „Wärmepumpe Dimensionierung", „Luftwärmepumpe Größe", „Wärmepumpe Nennleistung", „Wärmepumpe Auslegung Formel", „Wieviel kW Wärmepumpe für 150 qm", „Wärmepumpe 8 kW oder 10 kW", „WP passend zum Haus". Fachbegriff: Wärmeerzeuger-Auslegung nach VDI 4645.
Wichtig ist der Unterschied zwischen Nennwärmeleistung (Herstellerangabe bei A7/W35), Auslegungsleistung (bei Norm-θe) und maximaler Wärmeleistung (bei kleinster Außentemperatur laut Datenblatt). Wärmefinder zeigt alle drei Werte, damit man keine Herstellerangaben-Falle in die Auslegung mitnimmt. Verwandt: modulierende WP, On/Off-WP, Inverter-Wärmepumpe, Split-WP, Monoblock-WP.
Häufige Fragen
Wie viel kW Wärmepumpe brauche ich für 150 qm?
Kommt aufs Baualter an: unsanierter Altbau 18–23 kW, teilsanierter Altbau ~13 kW, sanierter Bestand ~9 kW, GEG-Neubau ~5 kW. Die Wohnfläche allein reicht nicht — die Norm-Außentemperatur der PLZ, der Dämmzustand und der Warmwasserbedarf ändern die Größe erheblich. Wärmefinder rechnet das exakt.
Ist eine überdimensionierte Wärmepumpe schlecht?
Ja. Zu große Wärmepumpen takten häufiger, verschleißen schneller und haben eine niedrigere JAZ. Als Regel gilt: die Wärmepumpe sollte am Bivalenzpunkt ihre Nennleistung erreichen — nicht früher.
Was ist der EVU-Sperrfaktor?
Das neue §14a EnWG kennt keine Vollabschaltung mehr, sondern eine Reduzierung der Bezugsleistung — der Auslegungsfaktor ist deshalb 1,00, und Wärmefinder rechnet standardmäßig damit. Nur im Altbestand mit vereinbarter Sperrzeit wird die Nennleistung erhöht: 24 / (24 − Sperrstunden), bei 2 × 2 h also 24 / 20 = 1,20.
Wie berücksichtige ich den Warmwasserbedarf?
Wärmefinder rechnet 1,45 kWh pro Person und Tag plus 3 kWh pauschal für Speicher und Verteilung, umgelegt auf 24 Stunden Dauerleistung und gedeckelt bei 1,5 kW. Für vier Personen sind das 0,37 kW, für eine Person 0,19 kW — je mehr Personen, desto weniger je Kopf, weil sich die Speicherpauschale verteilt. Der Zuschlag wird zur Heizlast addiert, bevor die Wärmepumpen-Nennleistung bestimmt wird.
Muss die Wärmepumpe die volle Heizlast decken?
Nein. Bei monoenergetischer Betriebsweise mit elektrischem Heizstab reicht es, wenn die WP bis zum Bivalenzpunkt (typisch -2 bis -7 °C) alleine deckt. Unterhalb springt der Heizstab an. Ein Backup-Anteil unter 5 % der Jahresarbeit gilt als unbedenklich.